Der Sonntag endete mit dem verzweifelten Versuch den Tatort im Internet anzusehen (seht, ihr meine lieben Mädchenerzähler, theoretisch muss man gar nicht auf den Tatort verzichten - vorausgesetzt man hat die technischen Voraussetzungen dafür!). Irgendwann gab ich es auf und sah stattdessen einen mexikanischen Film (Bajo California) mit meinen Mitbewohnern. Im Gegensatz zu Ewa, die sich irgendwann in der Mitte des Films freiwillig schlafen legte, versuchten Ricardo und ich krampfhaft durchzuhalten und taten dies auch bis auf kurze Einschläfer tatsächlich. Das soll übrigens nicht heißen, dass der Film langweilig gewesen wäre. Wir waren einfach nur müde und der Film war etwas zu ruhig für einen solchen Zustand.
Montag war der erste richtige Arbeitstag. Ich habe nun jeden Montag und Mittwoch zwei Kurse zu unterrichten. Während der erste Kurs mich aufgrund seiner Teilnehmerzahl (die glücklicherweise doch der angekündigten unterlegen war) erst einmal erschlug, war der zweite etwas übersichtlicher. Wie das so ist, beschnuppert man sich am Anfang erst einmal gegenseitig, aber am Mittwoch konnte ich dann schon feststellen, dass die Studis langsam etwas zudringlicher wurden. Montag abend nahm mich Ricardo mit zu der Geburtstagsfeier eines ehemaligen Arbeitskollegens und Freundes in einer kleinen Bar. Auf dem Weg dahin fanden wir endlich das Delikatessengeschäft, in dem man Mate kaufen kann. Ricardo hat nämlich noch ein (unbenutztes!) Mategefäss und eine Bombilla, die er mir einige Tage zuvor gezeigt hat, was selbstverständlich Zufriedenheitsgluckser bei mir ausgelöst hatte. Stolz trugen wir unser Matepaket also auf die Party, wo wir Bier tranken und ich mich mit einer deutschen Freundin von Ewa und Ricardo sowie einer Freundin dieser (ebenfalls compatriota - wie ist das deutsche Wort dafür? Ich verliere meine Sprache!) unterhielt. Auf dem Rückweg kauften wir noch Tacos und saßen dann noch eine ganze Weile in tiefe philosophische Gespräche vertieft bei Tacos und Wodka in der Küche.
Nachdem ich sehr spät aufgestanden war, verbrachte ich den Dienstag damit mich mit meiner Unterrichtsvorbereitung zu beschäftigen. Es ist unglaublich, aber ich verbrachte tatsächlich fast den ganzen Tag damit. Mittwoch war wieder Arbeitstag und wie schon erwähnt waren die Studis langsam etwas zutraulicher. Zwischen meinen beiden Kursen machte ich einen Einstufungstest für Spanisch und erfuhr, dass mir möglicherweise das Glück zuteil werden wird, Einzelunterricht zu bekommen ohne diesen zu bezahlen (denn ich werde von der Uni als jemand betrachtet, der seinen Sozialdienst ableistet, nunja, da möchte ich mich auch nicht beschweren). Abends verließ uns Ricardo, der am nächsten Tag für ein verlängertes Wochenende mit seiner Freundin nach Acapulco fahren sollte. Dort sollten die beiden in einem der teuersten Luxushotels residieren, da Ricardo aufgrund seiner Arbeit (er ist Reisejournalist) das Angebot bekommen hatte dort kostenfrei zu logieren. Leider konnte er den Zettel, der ihm bestätigte, dass er keinen Cent zu zahlen habe, nicht mehr finden. Da er aber noch nicht wieder zurückgekommen ist, wissen wir nicht, ob er die Tage nicht doch vielleicht in einem Backpackerhostel verbringen musste. Wir Mädels waren schon ein bißchen neidisch, machten es uns aber dennoch einfach schön und verbrachten den ganzen Abend quatschend auf Ewas Bett.
Donnerstag verbrachte ich wiederum Zuhause und die Zeit verging sehr schnell ohne dass ich außer lesen etwas Sinnvolles getan hätte. Abends erlöste mich Susanne aus meiner Trägheit. Ich holte sie von der U-Bahn-Station ab und begleitete sie nach Hause, um endlich mal ihr neues Heim zu inspizieren. Von dort gingen wir mit ihrer taiwanesischen Mitbewohnerin in Richtung Condesa. Wir ließen uns schließlich in einem kleinen Lokal nieder, um etwas zu essen. Dort gab es mexikanisch-orientalisches Essen, obwohl der Laden "El Greco", also "Der Grieche", hieß. An dieser Stelle muss ich abermals auf eine meiner neuesten Erkenntnisse hinweisen: Tacos sind ja - wie sicherlich alle wissen werden - kleine Tortillas, die mit Fleisch etc. belegt werden. Dieses Fleisch wird unter anderem von einer Einrichtung abgeraspelt, die derjenigen in unseren deutschen Dönerläden sehr ähnelt. Als ich das zum ersten Mal gesehen hatte, war ich schon etwas verwundert und fragte mich, wer wem die Erfindung geklaut haben mochte. Ricardo klärte mich dann auf, dass die Mexikaner sich das bei den (deutschen?) Türken angeguckt hätten. Susanne hat aber schon richtig festgestellt, dass die Mexikaner noch nicht so weit sind und diese elektrischen, handstaubsaugerähnlichen Abraspelmaschinen verwenden. Zurück also zu unserem Essen. Wir wollten Bier dazu trinken, das wir im Nachbarlokal bestellen musste, aber der Kellner vergaß dies zunächst, obwohl sein Lokal vollkommen leer war und entschuldigte sich nach unserem Essen schließlich mit einem kleinen Minicocktail, der unseren Geschmackssinnen nach auch keinen Alkohol enthielt. Dennoch waren wir sehr dankbar und versprachen wiederzukommen. Eigentlich wollten wir noch ein Bier trinken, aber Susannes taiwanesische Mitbewohnerin war nicht sehr begeistert von der Idee, sodass wir stattdessen in einem kleinen Kaffee-Tee-Süßigkeiten-Laden Halt machten, wo sie Tee und wir Kaffee tranken. Nachdem auch die mexikanische Mitbewohnerin dazugekommen war, schlenderten wir aber noch weiter und tranken einen Mojito in einem kubanischen Salsaschuppen. Anschließend setzten wir die fast schon eingeschafene Taiwanesin ins Taxi und landeten wie ich eine Woche zuvor bei Danny und Julio, der leider Kopfschmerzen hatte und deswegen im Bett lag, Zuhause. Von dort fuhren uns die Gentlemanfreunde etwas später am Abend nach Hause.
Freitag fuhr ich gegen Mittag zum Goethe-Institut, weil es dort ein Treffen zur Vorbereitung der Ampal-Tagung (Ampal = mexikanische Vereinigung der Deutschlehrer) im kommenden Frühjahr geben sollte. Ich fühlte mich dabei zum Teil wie ein Anthropologe bei Feldstudien zur interkulturellen Kommunikation. Nach zweieinhalb anstrengenden Stunden gingen meine Chefin und ich noch mit dem Vorstand besagter Vereinigung venezolanisch Mittagessen. Das deutsch-spanische Tischgespräch drehte sich dabei unter anderem um die aufgrund des Drogenkrieges zum Teil katastrophale Lage vor allem in Monterrey, im Norden des Landes. Zuhause angekommen machte ich mich nach einem kurzen Telefonat mit Kasia gleich wieder auf den Weg zu Julio. Wir hatten vereinbart, dass wir uns gemeinsam mit einigen anderen einmal die Woche zum Kochen treffen wollten. Diesmal waren die Mexikaner dran, für mich Mexikanisch zu kochen. Mit der ganzen Bagage (Patty, eine alte Freundin von Rocco, die seit kurzem in D.F. wohnt sowie ihr Freund Alfonso und Ben, ein kanadischer Freund von Julio) gingen wir einkaufen. Anschließend tranken Ben und ich Tequila mit Grapefruitlimonade (das Ganze nennt sich Paloma, warum auch immer), während die Anderen kochten. Gegen elf war das Menü dann auch fertig und wir durften folgende Dinge genießen: Chilaquiles (frittierte Tortillaecken in scharfer Salsa), Aguachile (Schrimps mariniert in Limettensaft mit Zwiebeln und Chili - schmeckt so ähnlich wie Ceviche), Guacamole, Chile relleno (grüne große Chilis, die fast wie Spitzpaprika - nur ein bißchen schärfer - schmecken und mit Käse und Preiselbeeren gefüllt waren) und Chicharrón (fritierte Schweine-(oder andere in sehr scharfer Soße)haut. Dazu gab es Horchata (ein Getränk, das aus Reis und Zimt gemacht wird) und noch mehr Tequila.
Das mexikanische Menü:
Ben schlang sein Essen herunter und musste uns aufgrund einer anderen Verabredung leider bald wieder verlassen. Aber es kamen dafür später noch einige andere Leute - unter anderem Danny in seltsamer weiblicher Begleitung und einige andere Freunde von Julio. Irgendwann gingen diese Anderen dann noch tanzen, wir blieben aber auf der Terrasse stehen bzw. auf der Coach sitzen und quatschten ewig lange. Ich war zwischendurch schon fast eingeschlafen. Gegen fünf Uhr morgens brachten mich Patty und Alfonso nach Hause.
Samstag verbrachte ich wiederum mit allerlei Ablenkungsbeschäftigungen Zuhause und merkte nicht wie die Zeit verging. Morgens telefonierte ich kurz mit meinem Opa per Skype, dem diese Erfindung gerade erst nahe gebracht worden war. Nachmittags kam Susanne vorbei, wir gingen zusammen Mittagessen (in einem von diesen etwas ranzigen mexikanischen Restaurants bei uns in der Nähe). Das Essen war sehr lecker und wie immer genossen wir die Atmosphäre in so einer Lokalität, wo sonst wahrscheinlich nie Bleichgesichter essen. Nach einem kurzen Einkauf auf dem Markt versuchten wir drei Mädels stundenlang einen brasilianischen Film (Tropa de Elite) im Internet anzusehen. Susanne verließ uns irgendwann mit ihrer in ihrer neu erstandenen Tasche verstauten Wäsche, die sie bereits aus der Wäscherei mitgebracht hatte. Ewa und ich waren schließlich so entnervt, dass wir einfach einen anderen Film (Die Frau des Zeitreisenden) sahen. Anschließend liefen wir - ja, wohin denn? - zu Julio, wo diesmal wirklich eine Terrassenparty stattfand. Eine Freundin von Julio und Danny hatte Geburtstag sowie eine Freundin von dieser. Die meisten auf der Party waren den Gastgebern aber doch unbekannt. Da sie bereits nachmittags angefangen hatten zu feiern, war die Stimmung schon sehr gut. Es wurde viel getanzt und gesungen bzw. in manchen Fällen auch eher gegrölt. Wir unterhielten uns und drei Bier später traten wir auch schon wieder den Heimweg an. Vorher aßen wir aber noch Tacos an einem Stand, bei uns um die Ecke. Zuhause angekommen quatschten wir noch eine ganze Weile und fielen dann ins Bett.
Am Sonntag, also heute, konnte ich mich nicht mehr um meine Pflichten drücken. Nachdem ich endlich - wenn auch kurz - mit Christian und anschließend mit meiner Familie geskypt hatte, widmete ich mich also meiner Unterrichtsvorbereitung. Dann gingen Ewa und ich aufgrund der misslichen Lage unseres Kühlschranks einkaufen. Vor dem Supermarkt trafen wir Susanne, die dann auch mit uns nach Hause kam. Susanne und ich machten uns einen leckeren Kartoffelauflauf und versuchten - während dieser vor sich hin bruzelte - uns etwas für einen Filmkurs auszudenken, denn wir in der CU zusammen machen wollen. Anschließend aßen wir unser Meisterwerk und sahen in Vorbereitung auf diesen Kurs "Berlin Is In Germany". Dann machte ich Susanne auf den Weg und ich widmete mich dem, was ich hier gerade immer noch tue, nämlich meinem Blog. Da ich aber nun fertig bin meine wenig spektakuläre letzte Woche zu dokumentieren, die Zeit weit vorangeschritten ist und morgen wieder ein anstrengender Arbeitstag vor mir liegt, verabschiede ich mich vorerst von meinen geduldigen Lesern.
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