Dienstag, 7. September 2010

Seltsame Biermischgetränke und der sich langsam einschleichende Unterrichtsalltag

Montag, 30. August bis Freitag, 3. September

Inzwischen hat sich langsam der Alltag in mein mexikanisches pinkes Zimmer eingeschlichen. Das macht sich wohl auch daran bemerkbar, dass ich fast vergesse mich meinen Berichten zu widmen und ich obendrei schon nachdenken muss, was nun eigentlich die vergangenen Tage passiert ist. Die Woche war relativ unspektakulär. Langsam gewöhne ich mich an den Unterrichtsalltag und das bedeutet aber auch, dass ich wie immer länger als gedacht an den Vorbereitungen sitze und damit quasi meine ganze Freizeit verbringe. So ein Tag an der Uni kann auch ganz schön anstrengend sein, denn ich fahre bereits gegen kurz nach zehn los, haben dann mit einer Pause von zwei Stunden zwei zweistündige Kurse und bin nicht zuletzt wegen des Verkehrs erst gegen halb acht abends zuhause. Immerhin schafften wir es Montag abend dennoch abends noch das Haus zu verlassen. Nachdem Ricardo seine nach eigener Auskunft dritte Deutschstunde in einem Jahr bekommen hatte (von Ewa versteht sich), wollte er sofort los ins Pata Negra, der Stammkneipe von Ewa und meiner Vorgängerin Aurica. Er machte furchtbaren Stress, aber wir mussten uns noch anziehen und Susanne hat auch beschlossen mitzukommen und rannte quasi von Zuhause los, um uns noch abzupassen. Sie wartete dann aber an ihrem alltäglichen Tacosstand doch noch eine ganze Weile auf uns, weil der Herr eine gefühlte halbe Stunde brauchte, um sich seine Schuhe anzuziehen. Die Vorstellung einer Internetzeitschrift, wegen der er eigentlich in die besagte Kneipe (Club ist wohl die treffendere Bezeichnung) wollte, war denn auch schon vorbei als wir ankamen. Stattdessen tranken wir Micheladas und nickten im Kopf zu der zunächst noch live und danach aus Boxen kommenden, seltsam gemischten Musik. Micheladas sind im Übrigen Biermixgetränke, die entweder (unser erster Versuch) mit Tomatensaft, Tabasco, Maggi (ja, wirklich!) usw. gemischt sind oder (mein zweiter, eigentlich verunglückter Versuch, da ich mich mit den Bezeichnungen noch nicht auskannte) einfach nur Bier mit Limettensaft. Wenn Ersteres schon extrem lecker ist, dann muss natürlich angemerkt werden, dass Letzteres ein Getränk ist, was wohl nur für mich geschaffen wurde. Trotz der leckeren Getränke, blieben wir vier nicht lange, da wir alle (naja, ich mehr oder weniger) am nächsten Tag arbeiten mussten. Auf dem Rückweg ließen wir es uns aber nicht nehmen, noch ein paar Tacos zu essen und aguas zu trinken (das sind Wassergemische mit Geschmack, beispielsweise mit Horchata, einem Saft, der aus Reis und Zimt gemacht wird, oder Flor de Jamaica, der aus der Blüte besagter Pflanze gewonnen wird). Susanne kam dann noch mit zu uns nach Hause und fuhr von dort mit dem Taxi in ihr eigenes Bett.

Die nächsten Tage vergingen ohne großartig berichtenswerte Zwischenfälle. Ich bereitete stundenlang meinen Unterricht vor, war am Mittwoch wieder in der Uni und abends wollten Susanne und ich uns eigentlich um einen Vortrag kümmern, den wir halten sollten, sowie unseren Filmkurs planen, aber Ricardo lenkte uns dann ab. Wir gingen in einen Laden in der Nähe, wo man Bier aus aller Welt kaufen konnte. Ricardo wollte uns beweisen, wie lecker sein (belgisches) Lieblingsbier Carolus schmeckte. Damit hatte er recht und wir verbrachten den Abend zu dritt mit je zwei Bier im Wohnzimmer sitzend und quatschend. Donnerstag schaffte ich es trotz strömendem Regen einmal ins Goethe-Institut, um mir dort einen Ausweis für die Bibliothek machen zu lassen. Glücklicherweise hatte ich in Acatlán an der Uni jemanden kennen gelernt, der in besagter Bibliothek arbeitet, sodass er mir erstens vorher mitteilen konnte, welche Requisten ich benötigte und zweitens hatte ich so die Möglichkeit eine Führung durch die Bibliothek zu bekommen, die vergleichsweise sehr klein ist und entgegen meiner Erwartung auch keinerlei didaktisches Unterrichtsmaterial beinhaltet. Dafür lernte ich, dass die Goethe-Institute alle gleich ausgestattet sind, d.h. dass selbst die Möbel komplett identisch sein müssen und dafür wurden sogar Tischler aus Deutschland eingeflogen. Da wissen wir also mal wieder, was mit unseren - also ich meine natürlich: euren - Steuergeldern so passiert. Amüsant ist auch das Gebäude, das aussieht wie eine viergestöckige Datscha. Eigentlich gibt es wohl ein sehr viel schöneres Haus, aber die deutsche Bauaufsichtsbehörde für deutsche Einrichtungen in Lateinamerika (sie sitzt in Chile, hat man mir gesagt) hat dieses nicht genehmigt. Und dann beschweren sich die Deutschen hier immer, dass die Mexikaner so bürokratisch sind... Ich trat den Rückweg dann mit einer Ladung deutschsprachiger Musik-CDs sowie zwei Filmen an - für den Unterricht versteht sich! Einen der Filme (Mein Bruder, ein Dokumentarfilm) sah ich mir dann auch abends mit Ricardo an, der aber ziemlich schnell ins Land der Träume verschwand und erst gegen Ende des Films wieder erwachte.

Den Freitag verbrachte ich mit dem Großeinkauf für den Abend sowie weiterer Unterrichtsvorbereitung, da ich am Samstag einen vierstündigen Kurs vertreten musste und wir beschlossen hatten, danach das Wochenende über (also das, was davon dann noch übrig war) wegzufahren. Nach ihrem Unterricht kam Susanne vorbei und dann begannen wir langsam mit den Vorbereitungen für den Abend. Da ich die Woche zuvor zum mexikanischen Essen eingeladen war, hatten wir für diesen Abend Julio, Danny, Ben, Patty und Alfonso sowie Susannes Mitbewohnerinnen eingeladen (wobei Nora dann noch nicht kommen konnte). Violeta, Susannes taiwanesische Mitbewohnerin, kam dann auch Punkt um acht und war sehr hungrig. Die Jungs ließen sich aber sehr viel Zeit und wir versuchten selbiges. Susanne kochte Schweinegeschnetzeltes mit grünen Bohnen und Kartoffelpüree. Ich war (und bin) ihr sehr dankbar für ihre deutschen Kochkünste, denn meine fangen bei Eier in Senfsauce (dank Kathi) an und hören da auch wieder auf. Immerhin hatte ich es geschafft einen Apfelkuchen zum Nachtisch zu machen. Alfonso und Patty waren wie angekündigt halb neun da, die drei Jungs kamen aber erst gegen halb zehn. Das Essen stand dann quasi schon auf dem Tisch und die arme hungrige Violeta musste vorher noch ein Sandwich essen, um nicht umzufallen. Ricardo hatte uns leider schon vorher verlassen müssen, da er zu einem Konzert gehen wollte. Ewa setze sich dann auch dazu und das Essen schmeckte natürlich hervorragend, nicht nur mir! Ein Eklat während des Tischgespräches konnte glücklicherweise abgewendet werden. Ganz kurz hatten meine Erdbeerfreunde das Thema Indios angesprochen und fast wäre Ewa, Susanne, Patty und mir der Kragen geplatzt. Glücklicherweise war Alfonso gerade nicht dabei, denn sonst hätte wohl eine stundenlange Diskussion über Rassismus und Politik in Mexiko begonnen. Aber wir konnten diesen Eklat wie gesagt verhindern und quatschten dann noch eine Weile. Nachdem Susanne und Violeta nach Hause gefahren waren, warf ich auch den Rest gegen halb eins raus, da ich ja am nächsten Morgen sehr früh aufstehen musste.

Das Schweinegeschnetzelte:

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