Montag, 16. August 2010

Erste touristisch-akademische Erkundungen

Mittwoch, 11. August 2010

Wie von Ewa prophezeit war ich trotz des Wachhalte-Filmmarathons während des Flugs schon gegen fünf Uhr morgens dank Jetlag wach, zwang mich aber dazu noch einmal einzuschlafen. Am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Weg zur Ciudad Universitaria (der Universitätsstadt, ja, es ist wirklich eine STADT!). Der ursprüngliche Plan noch gemütlich ein bißchen Sightseeing dort zu machen, wurde von den mexikanischen Transportmitteln durchkreuzt. Bevor ich dazu komme, muss ich allerdings noch meine erste Erkenntnis, dankbarerweise vermittelt von Ewa, loswerden: während der Metro-Stoßzeiten (wann die sind, muss ich noch rausfinden, aber tendenziell wohl gegen morgen, mittags und abends, also... fast immer!), sind die ersten drei Waggons nur für Frauen und Kinder reserviert. Man will damit verhindern, dass weibliche Wesen ungewollter Anfasserei zum Opfer fallen. Erstaunlicherweise wird dies auch kontrolliert. Es stehen dann ganz streng aussehende Polizisten mit eine Art Holzabsperrung da. Ich konnte sogar schon beobachten, dass Männer von den Polizisten, die auch oben an der Treppe, wo man zur Metro runter geht, stehen, angepflaumt werden, weil sie die falsche Treppe - also die, die zu den Frauenwaggons führt - heruntergehen. Aber zurück zu meiner ersten Erfahrung mit dem mexikanischen Verkehr... Beim Versuch von einer in die andere Metro zu steigen, stellte sich heraus, dass diese aufgrund eines Stromausfalls gesperrt war. Bienvenido a México, sage ich da mal... Das Verkehrschaos schlug sich selbstverständlich auch oberirdisch nieder, da die Buse vollkommen vollgestopft und die Warteschlangen sehr lang waren. Zudem waren einige Buse nicht ganz fahrtüchtig und blieben gleich auf halber Strecke wieder liegen. Da muss man sich schon fast über die Deutsche Bahn freuen! Nach längerer Zeit konnten wir dann aber ein Taxi auftreiben. Der Taxifahrer war nicht nur besonders unterhaltsam, sondern ließ auch gleich noch weitere Leute einsteigen und amüsierte sich und uns über die katastrophale Verkehrslage der Stadt. Als wir endlich ankamen, war Ewa etwa fünfzehn Minuten zu spät zum Unterricht und ich begab mich alleine auf eine kurze Tour über den Campus. Ich bewunderte das größte Mosaik der Welt, das die Bibliothek von außen bekleidet, und schlenderte etwas über den Campus. Wie gesagt, ist es eine Stadt! Das ist kein Witz! Schätzungsweise bräuchte man zu Fuß von der einen zur anderen Seite wesentlich mehr als eine Stunde. Aus diesem Grund gibt es auch kostenlose Buse, die einen über den Campus fahren, und man kann auch Fahrräder ausleihen. Zur Uni, die im Übrigen Universidad Nacional Autónoma de México, UNAM, heißt) sei außerdem gesagt, dass sie die beste Lateinamerikas sein soll und - wer hätte das gesagt - eine Unmenge an Studenten (nämlich fast 300.000!) hat. Da bei mir die Müdigkeit einschlug, setzte ich mich bis zum Beginn des Regens in die Sonne und las ein wenig. Dann holte ich Ewa wieder ab, wir gingen auf dem Weg zur Metrostation noch etwas essen (Huarache, das sind mit Bohnenmuss gefüllte Tortillas (was sonst?), die wie eine Pizza mit was auch immer man möchte belegt sind) und fuhren dann mit der Metroin die andere Richtung ging der Strom!) zum Flughafen, um meine Kollegin Susanne abzuholen, die Ewas Nachfolgerin an der Ciudad Universitaria ist. Auf dem Weg dahin bekam ich einen kleinen Schwächeanfall (aufgrund der schlechten bis gar keinen Luft in der Metro, der Höhe, dem Jetlag - wer weiß), so dass der Abend dann auch eher kurz war. Auf dem Weg zurück im Taxi schlief ich nämlich schon ein und Zuhause hielt ich mich auch nicht mehr lange auf den Beinen.


Donnerstag, 12. August 2010

Nachdem ich nun am vorhergehenden Tag schon das Kernstück der UNAM besichtigt hatte, wurde ich am nächsten Tag mittags von meiner Chefin abgeholt und nach Acatlán im Norden der Stadt kutschiert, wo mein zukünftiger Tätigkeitssitz ist. Dort - theoretisch außerhalb der Stadt, aber so sah es nicht unbedingt aus auf dem Weg dorthin - ist die Facultad de Estudios Superiores, die ebenso zur UNAM gehört und in den 1970er Jahren eingerichtet wurde, damit die Studenten aus dem Norden nicht so weit fahren mussten. Dort wiederum ist auch das größte Fremdsprachenzentrum Lateinamerikas und der Deutschabteilung werde ich also tätig sein. Dennoch war der Campus vergleichsweise klein. Man braucht hier keine Stunde, um ihn zu überqueren. Ich wurde einer Unmenge an Personen vorgestellt und versuchte fieberhaft mir alle Namen zu merken. Außerdem bekam ich Instruktionen für meinen Tätigkeiten. Schließlich gingen meine Chefin, die Leiterin der Deutschabteilung und ich noch sehr lecker Italienisch essen. Das Kommentar dazu war, dass ich das mexikanische Essen schon noch selbst kennenlernen würde. Dazu ein Lachen und der Hinweis auf Moctezumas Rache. Nach dem Essen fuhren wir wieder in die Stadt. Zuhause angekommen machten wir vier (also Ewa, Ricardo, Susanne - die vorübergehend bis sie eine Wohnung hat noch mit in meinem Zimmer wohnt und die direkt am Tag nach ihrer Ankunft bereits unterrichten musste, die Arme! - und ich) uns auf den Weg zum Supermarkt, der im Übrigen - endlich erfüllt sich mein Traum! - rund um die Uhr geöffnet ist! Ich war etwas überfordert von diesem Überangebot an hauptsächlich amerikanischen Marken und versuchte mich erst einmal auf das - aus deutscher Sicht - Nötigste zu beschränken. Nach diesem Einkaufsabenteuer fielen die beiden Jetlaggies wieder ausgelaugt auf ihre Matratzen.

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