Mittwoch, 15. September - Samstag, 18. September 2010
Gegen acht wollten wir eigentlich los fahren, aber es wurde dann doch erst gegen neun. Wir fuhren kurz noch bei Arturo vorbei, der bei uns übernachtet hatte, und nachdem dieser kurz seine Sachen gepackt hatte, fuhren wir weiter und ließen ihn irgendwo an der Autobahn raus. Dafür hatte er uns aus der Stadt gelotst. Gegen Mittag kamen wir in Puebla an. Es war erstaunlicherweise sehr heiß. Wir wurden von der Autobahn abgeholt. Ewas Freund Rogelio fuhr uns dann zu ihm nach Hause. Seine Mutter hatte an diesem Tag Geburtstag und es sollte abends eine kleine Feierlichkeit geben. Zunächst einmal halfen wir bei den Vorbereitungen. Dann fuhren wir fast verhungert (denn wir hatten in der Eile kein Frühstück zu uns genommen) mit Rogelio ins Zentrum der wunderschönen Kolonialstadt (Weltkulturerbe wohlgemerkt!). Tatsächlich fanden wir am Zócalo auch das, was wir unbedingt essen wollten: Chiles en nogada, das typische Gericht, das es nur um den Nationalfeiertag herum gibt. Es besteht aus einem großen grünen chile poblano, gefüllt mit Fleisch, Mandeln und Trockenfrüchten, in einer weißen Milchsauce mit Mandeln und ist mit Garantapfelkernen versehen.
So, jetzt fragt man sich wahrscheinlich, was ausgerechnet dieses Gericht mit dem Nationalfeiertag zu tun hat... Nun, denken wir mal an die Farben! Richtig! Grün, weiß, rot! Unser chiles waren aber noch paniert, sodass man das Grün der Chileschote durch Petersilienblättern ersetzt hatte. Nichtsdestotrotz ein wirklich leckeres Erlebnis! Man hatte mich nicht angelogen, dass man mir gesagt hatte, dass es in Puebla das beste Essen des Landes gibt! Nachdem unsere Mägen also bis zum Platzen gefüllt waren, liefen wir noch eine Weile durch die wunderschöne koloniale Altstadt. Auch hier war schon alles für den Abend vorbereitet. Auf dem touristischen Handwerksmarkt wurden Romy und ich von Ewa beschenkt. Ich bekam ein paar sehr schöne Ohrringe. Vor einer der vielen Kirche, Santo Domingo, trafen wir auf einen alten Herrn, der sehr freundlich war. Er erzählte uns er sei Lehrer gewesen und wisse alles über die Stadt. Er zog uns förmlich in die Kirche und begann mit seinen Erklärungen. Zunächst fanden wir das noch sehr interessant, auch wenn ich zugeben muss, dass ich kaum etwas verstand von dem, was er sagte. Aber dann hörte er gar nicht mehr auf und wollte uns immer mehr Sachen erzählen, "die sonst niemand wisse". Wir wimmelten ihn dann schweren Herzens ab, denn das war uns dann doch zu viel des Guten. Sobald wir die Kirche verlassen hatten, mussten wir aber feststellen, dass er dies nicht ganz kostenfrei gemacht hatte und gaben ihm ein paar wenige Pesos.
Impresionen aus der Altstadt von Puebla:
Nach einem kurzen Abstecher zurück zu Rogelios ungaublich liebevoller und gastfreundlicher Familie, fuhren wir gegen halb neun wieder los. Vorher hatten wir uns Mexiko-T-Shirts angezogen. Später bemalten wir uns noch grün-weiß-rot, kauften uns kleine Viva-Mexiko-Hüte (wenn man das Zuhause schon nicht darf, dann wenigstens hier ;)! Diese doofen Touristen aber auch!)und für Rogelio den obligatorischen Revolutionsschnurbart. Wir holten seine Cousine ab, die - wie sich später rausstellte - gar nicht seine wirkliche Cousine war und parkten das Auto in der Nähe des Stadtzentrums. Da ich totmüde war, befürchtete ich schon fast vor dem Grito im Stehen, eingequetscht zwischen lauter jubelnden Mexikanern, einzuschlafen. Aber kurz nachdem wir uns auf den Zócalo gequetscht hatten, schrie der Gouverneur auch schon "Viva México!" und Viva alle möglichen Unabhängigkeitskämpfer. Um uns herum wurden diese Schreie wiederholt. Anschließend wurde die Nationalhymne gesungen. Wir wunderten uns sehr, denn es war erst gegen halb elf und man hatte uns gesagt, dass der Grito in Puebla eigentlich erst nachdem des Präsidenten auf dem Zócalo in Mexiko-Stadt stattfinden würde. Aber entweder ging die Uhr des Gouverneurs falsch oder man wollte dem anschließenden Regen zuvorkommen. Möglicherweise wollte man aber auch den Leuten die Chance geben, anschließend den Grito in der Hauptstadt live im Fernsehen mit zu erleben. Auch dies eine plausible Erklärung, denn sobald der ganze Spuk vorbei war, quetschten sich die Menschenmassen vom Zócalo und wir mittendrin (zwischendrin ein kleiner Loveparadeangstanfall, aber dann war alles gut). Wir fuhren also wieder zu Rogelio nach Hause, wo die Geburtstagsparty bereits im Gange war. Wir wurden weiter mit gemästet - es gab unglaublich leckere Chalupas (kleine Tortillas mit roter oder grüne Chilisauce, z.T. auch mit Hühnchen und natürlich Crema) und Tequila. Um zwölf wurde gesungen und Ewas Apfelkuchen angeschnitten, der Jubel auslöste. Danach wurde ausführlich getanzt und auch wir konnten uns nicht verweigern. Glücklicherweise waren es ältere Leute, sodass die Party gegen zwei schon vorbei war und wir totmüde, vollgefressen und glücklich ins Bett fallen konnten.
Donnerstag, 16. September 2010
Wir standen später auf als gedacht, frühstückten dann mit der Familie und fuhren anschließend mit Rogelio nach Cholula, was im Prinzip an Puebla angrenzt. Aber eigentlich gehen beide Städte so in einander über, dass selbst die Verwaltung nicht genau sagen kann, wo die Grenze liegt. Auch dort bemerkte man die Feierlichkeiten, denn es waren Menschenmassen unterwegs und ein riesiger Markt mit Jahrmarktbuden und allem drum und dran war aufgebaut. Wir bestaunten die Pyramide, die größte der Welt! Viel sieht man im Prinzip nicht von ihr, denn sie ist überwachsen und auf ihr wurde von den Spaniern eine Kirche errichtet.
Blick auf die Pyramide bzw. auf die Kirche - von der Pyramide sieht man ja nicht viel!
Kirche mit mehr Pyramide:
Wir kauften uns zunächst einmal Stärkung - Chapulines, gegrillte Grashüpfer, mein neues Lieblingsessen. Nachdem wir uns die freigelegten Pyramidenteile angesehen und auf die Pyramide gestiegen waren, liefen wir über den Markt, bestaunten das Markttreiben und die angebotenen Waren und sahen uns das Kloster an bzw. die dazugehörige Kirche, denn das Kloster selber konnte leider nicht besichtigt werden. Nach einer kurzen Quesadillapause, fuhren wir wieder zurück und sammelten auf den Weg wieder Rogelios Cousine ein. Romy hatte sich inzwischen angesteckt, während es Ewa und mir besser ging. Aus diesem Grund ging sie nach einem kurzen Abendessen ins Bett, während wir Tonnen von Chalupas aßen und dazu Bier mit Tomatensaft und Chile trinken. Zwischendurch wurden wir immer wieder zu Tequilas gezwungen. Rogelios Schwester hatte aufgrund der Abwesenheit ihrer Eltern (sie waren zu Verwandten gefahren), eine kleine Party organisiert. Ihre Freund kamen und brachten literweise Getränke mit. Der Abend endete also nach einer Menge Bier und Tequila darin, dass zu den Backstreetboys und den Spice Girls getanzt wurde.
Freitag, 17. September 2010
Wir standen wieder einmal sehr spät auf, räumten ein bisschen auf und gingen dann erst einmal etwas frühstücken. Nachdem wir den ganzen vorherigen Abend damit verbracht hatten darüber zu diskutieren, was wir uns an diesem Freitag ansehen wollten, beschlossen wir kurzerhand aufgrund unserer Verfassung und des regnerischen Wetters (im angrenzenden Bundesstaat tobte ein Hurrikan), den Tag lieber Zuhause zu verbringen. Also liehen wir Filme aus, die etwas mit Mexiko zu tun hatten, mussten dann aber bei Rogelio Zuhause angekommen und das Bettenlager vor dem Fernseher errichtet feststellen, dass nur einer der Filme - nämlich "Traffic" - englische Untertitel hatte (die wir benötigten, da Romy gerade erst angefangen hat Spanisch zu lernen). Wir sahen also den Film, tranken Tee und fingen später noch mit einem anderen Film an, den Rogelio Zuhause hatte (Elizabethtown, eine US-amerikanische Romanze - obwohl Rogelio uns verdonnern wollte den Antinazipropagandafilm "La novicia rebelde" zu sehen!). Inzwischen waren seine Eltern zurückgekommen und nach einer anderthalbstündigen Diskussion und mehreren Telefonaten mit dem Pizzadienst, hatten wir uns auch entschieden, welche Pizza wir bestellen wollten. Nach dem Pizzaabendessen machten wir uns fertig und fuhren mit Rogelio nach Cholula, um dort in einer Disko tanzen zu gehen. Dort war bereits sein Cousin mit einigen Freunden. Es wurden zwei Flaschen (ja, Flaschen!) Tequila bestellt und getanzt (besser in meinem Fall: es wurde versucht zu dem, was dort an Musik lief, zu tanzen! Nicht ganz meins!). Irgendwann hatte Romy plötzlich einen Kolumbianer an der Backe kleben, der auch nicht mehr von ihr weichen wollte. Er erzählte er sei Kolumbianer und ansonsten erzählte er jedem etwas anderes, was er beruflich angeblich mache. Dies und die Tatsache, dass er in Begleitung eines stummen, nur dastehenden und beobachtenden Freundes war, ließ mich zu der Schlussfolgerung kommen, dass es sich um niemand anderen als den Sohn von Pablo Escobar handeln könne. Wir ließen ihn dann irgendwann stehen (Rogelios Cousin und seine Freunde, hatten bis auf einen, der vergessen worden war, bereits das Lokal und Cholula hinter sich gelassen) und fuhren nach Hause, wo ich mit Rogelio zusammen noch den Film zu Ende sah, wobei dieser innerhalb weniger Minuten schnarchend einschlief.
Samstag, 18. September und Sonntag, 19. September 2010
Wieder standen wir sehr spät auf, frühstückten mit der Familie und verabschiedeten uns dann von ihnen. Bedanken durften wir uns nicht mehr, das hatte man uns bereits vorher verboten. Wir fuhren noch kurz in die Stadt, um die Kathedrale zu besichtigen, die am Mittwoch aufgrund der Vorbereitungen nicht begehbar gewesen war. Danach wurden wir noch von Rogelio und seiner Mama aus der Stadt gelotst und fuhren dann wieder Richtung Mexiko-Stadt, wo wir auch schneller und problemloser als von Ewa befürchtet zu Hause ankamen. Wir fuhren Romy dann nach Hause und kauften auf dem Rückweg noch Tacos, mit denen wir wieder zu Hause angekommen unsere Mägen füllten. Obwohl Ewa eigentlich den Plan gehabt hatte, abends noch wegzugehen, übermannte sie dann wie mich die Faulheit und wir endeten auf Ewas Bett mit einem schrecklich verstörenden Film ("Madonnen"). Sonntag lag ich im Prinzip bis auf ein Telefonat mit meinem Vermisstesten im Bett und las. Ich konnte mich nicht aufraffen und mich an meine Arbeit setzen. Der Tag ging aber auch mit Lesen sehr schnell vorbei. Ich brauchte auch einfach etwas Zeit und konnte mich aufgrund der gefühlten fünf Kilo mehr nach diesen Tagen ohnehin einfach nicht bewegen.
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