Die Woche vom 6. bis zum 10. September
Die Woche verging wieder wie im Flug. Dienstag lernten Susanne und ich unseren Oberchef kennen. Nach einem kurzen Plausch mit ihm blieben wir bei einer Informationsveranstaltung für Stipendien, um möglichst alle Informationen in uns aufzusaugen, was sich allerdings aufgrund der Komplexitäts des Gegenstands als unmöglich erwies. Mittwoch abend kam eine Freundin von Ewa vorbei, die ihr ihr Auto verkaufen wollte, da sie zunächst nach Deutschland zurückgehen wird. Mit Ricardo zusammen, der das Auto offiziell kauft, wurden die Papiere geregelt, während ich in meinem Zimmer lag und das Buch, was ich bereits seit einer Woche las, weiter verschlang (inzwischen habe ich es ausgelesen und kann es nur wärmstens weiter empfehlen: Jorge Volpi - Das Klingsor-Paradox). Danach saßen wir Mädels noch lange in Ewas Zimmer und quatschten. Donnerstag sollte mein erster Konversationskurs stattfinden. Ich hatte die Interessenten über Aurica bzw. einer der Studenten ihres Konversationskurses kontaktiert. Als ich den Raum betrat, saß allerdings nur eine Studentin da, die ich selbst angesprochen hatte. Es kam noch ein weiterer Student und dann rief ich den Studenten an, mit dem ich zunächst Kontakt gehabt hatte, weil ich mich wunderte, dass weder er noch die anderen anwesend waren. Er teilte mir mit, dass er nicht kommen könnte und die anderen ihm auch gesagt hätten, sie kämen nicht. Ein klassisches interkulturelles Missverständnis also. Ich vertröstete die beiden Anwesenden auf in zwei Wochen und wir machten uns auf den Rückweg vom Unterrichtsraum zum Departamento de Alemán. Vor diesem trafen wir allerdings auf vier aufgeregte Studenten, die den Raum und folglich also den Konversationskurs gesucht hatten. Also machten wir uns auf den Rückweg und später stieß sogar noch ein weiterer Interessent zu uns, sodass wir mit etwas Verspätung den Konversationskurs starten konnten. Die Leute sind alle sehr interessiert und sprechen schon sehr gut Deutsch, sodass es sicherlich ein sehr lustiger und interessanter Kurs wird. Nach einem kurzen Abstecher in die Bibliothek des Goethe-Instituts landete ich wieder zu Hause, wo ich kurze Zeit später von meiner Chefin abgeholt wurde. Ich hatte erst am Abend zuvor gesehen, dass an diesem Abend der Film "Mammoth" von Lukas Moodysson in der Cineteca gezeigt werden sollte. Da es aber relativ früh war, nämlich schon um sieben (und nur an diesem Tag), fand sich zunächst niemand, der mitkommen konnte bzw. wollte. Aber meine Chefin erklärte sich spontan bereit und so fuhren wir gemeinsam ins Kino. Wir wunderten uns zunächst, dass der Film nicht pünktlich anfing, stellten dann aber fest, dass wir auf der Eröffnung der nordischen Filmwoche gelandet waren und hörten uns also erst einmal die Grußworte der Botschafter an. Der Film war - wie zu erwarten - sehr gut. Danach gab es noch einen Empfang, aber wir kamen etwas zu spät, denn die Gläser waren schon aus und die gierigen Mexikaner stürzten sich auf Canapés und Getränke. Man hätte denken können, es seien meine ostdeutschen Landsleute. Meine Chefin war auch etwas angeschlagen, sodass wir uns auf den Rückweg machten. Sie setzte mich in der Condesa ab und ich spazierte zu Danny und Julio (immerhin war ja Donnerstag). Wieder einmal waren einige mir unbekannte Leute dabei. Ich war aber auch ziemlich müde und so fuhr mich Julio relativ früh nach Hause. Den Freitag verbrachte ich wieder komplett mit der Unterrichtsvorbereitung der kommenden Woche. Abends kam Romy vorbei, eine neue Arbeitskollegin von Ewa aus der deutschen Schule, die auch erst vor wenigen Wochen nach Mexiko gekommen ist. Da sie noch vorübergehend im Süden wohnt, hatte sie beschlossen das Wochenende bei uns zu verbringen. Wir tranken ein Gläschen Wein und unterhielten uns. Dann kamen noch Susanne und Arturo, Ewas Lehrerkollege aus der UNAM, vorbei. Schließlich holte uns Danny, der sich uns kurzfristig angeschlossen hatte, mit dem Auto ab. Wir wollten ins Zentrum zu einer Feier, die eine Freundin von Ewa, die an der Botschaft arbeitet, in einer Cantina gab. Aufgrund des Verkehrschaos kurz vor dem großen Feiertag brauchten wir fast anderthalb Stunden (zu sechst in einem Auto!). Normalerweise wären es wohl zwanzig Minuten oder so gewesen. Die Party sah dann auch schon etwas ausgedünnt aus, als wir ankamen, was möglicherweise auch an der Größe des Ortes lag. Es war eine riesige, sehr alte, etwas ranzige Cantina (La Faena), mit Stierkampfkostümen und allerlei museumsreifen Ausstellungsstücken rund um dieses spanische Erbe ausgestattet. Es gab Brezeln und Tacos sowie Palomas und Bier. Susannes und meine Chefs waren anwesend und natürlich jede Menge andere Personen aus der deutschen Community. Wir tranken Palomas und tanzten auch ein bißchen zu 80er-Jahre-Hits. Außerdem freundeten Susanne und ich uns mit einem der Kellner an. Schließlich wollten wir weiterziehen. Sobald wir im Auto saßen, stand aber auch schon die Polizei neben uns. Wir stiegen also aus, warteten eine Weile und setzten schließlich die Hälfte der Gruppe in ein Taxi, während die andere Hälfte mit Danny fuhr. Eigentlich wollten wir noch in eine Disko gehen, aber irgendwie landeten wir dann doch wieder bei Danny und Julio und blieben dort dann auch den restlichen Abend. Gegen fünf Uhr morgens waren wir dann Zuhause und fielen totmüde ins Bett.
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