Mittwoch, 6. Oktober 2010

arbeiten, essen, schlafen

Ein Erklärungsversuch vornweg
Zunächst muss ich einmal alle Befürchtungen aufgrund meiner intermedialen Abwesenheit zerschlagen. Für alle, die schon diverse Menschenrechtsorganisationen oder außenpolitische Stellen kontaktiert haben: es geht mir gut. Ich bin weder in der Metro zerquetscht worden noch im Fahrstuhl stecken geblieben und verhungert. Auch bin ich keinem Erdbeben oder sonstiger Naturkatastrophe zum Opfer gefallen, geschweige denn entführt, überfallen oder ermordet worden. Ebenso wenig bin ich zu den Zapatisten übergelaufen (bei diesen ganzen Eventualitäten muss ich nach meiner heutigen Erfahrung allerdings festhalten, dass wohl ersteres am ehesten eintreffen würde). Nun gut. Dennoch natürlich die Frage, warum ich so lange von meinem Internettagebuch ferngeblieben bin. Es gibt wohl keine alle zufriedenstellende Antwort, dennoch ein Versuch. Irgendwann kommt man eben mehr oder weniger an und alles wird zum Alltag und scheint so nicht mehr berichtenswert genug. Dies ist mir wohl in den vergangenen zwei Wochen - ohne dass ich es wirklich mitbekam - passiert. Trotzdem will ich versuchen den Alltag der vergangenen Tage wenigstens kurz zusammen zu fassen. Wie Ewa so schön sagt "Charly macht nichts anderes als arbeiten und kochen." Ganz unrecht hat sie damit wohl nicht. Die Zeit rennt förmlich so dahin - auch wenn man doch eigentlich so viel freie Zeit haben sollte.


20. bis 26. September 2010

Die Woche bestand aus jeder Menge Arbeit, Freitag einem Workshop zu "Interkultureller Kompetenz" im Goethe-Institut (wenig aufschlussreich für mich - abgesehen von der für mich fundamentalen und noch immer unbeantworteten Frage, wie man das Problem der wie-auch-immer-kulturellen Differenz eigentlich in solchen Workshops selbst angehen sollte), Samstag zwei Vertretungen (sodass der komplete Tag fürs Arbeiten draufging und einem Samstagabend auf Julios und Danis Coach. Dieser Abend wurde als Weiberabend ausgeschrieben, wobei ich allerdings als einzigste Frau im Pyjama auf der Coach saß. Neben den beiden Jungs war nur noch Sergio da. Wir kochten lange und ausgiebig (weil der High-Tech-Mixer dann doch länger brauchte um die Kichererbsen zu vermalmen). Gegen zwölf ging es also eigentlich erst richtig los. Es gab Falafel (klar, Frauenessen!) und anderthalb Liebesfilme. Es handelte sich um "The Notebook", den alle außer mir kannten, aber ich bekam Dazwischenredeverbot, weil ich nach fünf Minuten schon vorhersagen wollte, worauf der Film hinauslief. Danach begannen wir noch einen anderen Film, aber nach einer halben Stunde hörten wir den Einzigen, der die Augen noch offen hatte (Dani), fragen, wo wir nicht lieber schlafen gehen sollten. Also gingen wir schlafen. Am nächsten Tag standen wir zwar vergleichsweise früh auf, aber ich war dann erst gegen eins wieder zu Hause und verbrachte den Tag mit den üblichen Sonntagsbeschäftigungen (Vorbereitungen, Skypen, Rumliegen, Tatort).


27. September bis 3. Oktober 2010
Die kommende Woche war ebenso arbeitsam. Wenig Abwechslung, wenn man mal von meinem beginnenden Spanischkurs absieht. Außerdem startete am Freitag Susannes und mein Filmkurs an der CU - "Film über die und in der DDR" - mit dem Film "Nikolaikirche", um gleich mit etwas Heimatmaterial zu beginnen. Anschließend traf ich mich endlich mit Joel, der vor einem knappen Jahr im Sommer mein Schüler gewesen war und der nun in DF studiert. Eine Freude, dass wir uns nun endlich wiedertrafen (wir hatten es schon lange versucht). Ich schleppte den inzwischen sehr gut Sprechenden dann auch gleich zum Bau eines pappenen Brandenburger Tors (Grund war der bevorstehende deutsche Nationalfeiertag!), den die mir sehr bekannten Deutschlehrer mit ihren Studenten an der CU organisiert hatten. Allerdings saßen wir wie einige andere eher in der Sonne rum und supervisorten den Bau, der am Schluss doch recht imposant und bunt stand. Anschließend gab es noch Kaffee bei den Designern (also, in deren Unigebäude) und eine aufgrund des Verkehrs und einigen Verfahrern lange Autofahrt nach Hause (mit Ewa, Susanne, Romy und Joel). Als wir zu Hause ankamen, war unser Plan ins Kino zu gehen kurzfristig verschoben worden und stattdessen aßen wir schönes deutsches Essen (Kartoffeln mit Spinat und Eiern) und nachdem Romy gegangen war, wir zu dritt noch lange gequatscht hatten (Susanne war direkt aus dem Auto zu ihren Tacos und danach nach Hause gestürmt), ging Ewa ins Bett und Joel und ich beschlossen aus dem Kino- einen Zuhausefilmabend zu machen und schliefen vor "Europa" ein. So viel also zum einen zum Thema "wie muss es Charly gehen, wenn sie bei einem Lars-von-Trier-Film einschläft" (ja, es ist mir peinlich!) und vor allem dazu wie es einem so nach einer richtigen Arbeitswoche geht. Am Samstagmorgen frühstückte ich noch mit Joel und brachte ihn zur Metro. Anschließend setzte ich mich an meine Vorbereitung und gammelte ein bisschen in meinem eigenen schlechtlaunigen Heimwehsaft herum. Ewa lenkte mich kurz mit einem Film ab ("Sex and the City II"). Danach bastelte ich weiter an meinem Unterricht. Abends wurde ich gezwungen meinem asozialen Dasein ein Ende zu bereiten und ging mit Ewa, Arturo und einer Studentin der beiden zu Francas Geburtstagsparty, die sich zum einen als Verkleidungsspektakel und zum anderen als Sammelsurium meiner Kollegen herausstellte. Wir blieben aber nur etwa zwei kleine Bier und ein paar wackelige Tanzbewegungen lang. Schon vor zwölf hatten wir die Party wieder Richtung nach Hause verlassen. Dort angekommen fiel ich ins Bett und Ewa ging noch tanzen. Sonntag stand ich dann voller Elan auf und schaffte es tatsächlich nach zwei kurzen Telefonaten das Haus zu verlassen. Ich schlenderte zu Susanne und dann spazierten wir beide zusammen Richtung Park. Chapultepec ist der größte innerurbane Wald der Welt, hat man mir gesagt. Riesig, also. Mittendrin steht auf einem Hügel das Schloss, das unter anderem die Residenz von Maximilian, dem Habsburger, war. Zuerst einmal bestaunten wir aber den See mit seinen Tretbooten, die Essensstände und die anderen Vergnügungseinrichtungen. Sonntag ist Parktag und dementsprechend war es sehr voll und man musste sich zwischen Schmink-, Zuckerwatte-, Schmuck- und Nippesständen (und vielem mehr) durchquetschen. Irgendwann fanden wir dann auch den Weg zum Hügel und damit zum Schloss, wo Sonntags wie in allen Museen freier Eintritt (jedenfalls für Einwohner - theoretisch!) ist. Wir schoben uns an goldene Kutschen und Löffelchen in Vitrinen bestaunenden Mexikanern vorbei, um außerhalb des Schlosses die atemberaubende Aussicht zu genießen (leider waren die Batterien der Kamera leer, sodass ich diese nicht dokumentieren kann). Nachdem wir uns anschließend wieder vom Berg geschoben und den Ausgang des Parks gefunden hatten, machten wir noch einen kurzen Supermarktausflug. Dann jede ihres Weges. Zu Hause angekommen verließen Ewa und ich unser trautes Heim gleich wieder, um mir endlich (nach Wochen des Vormirherschiebens) eine neue Matratze zu kaufen, da meine bisherige bereits als Übungsunterlage für Einstiegsfakire fungieren konnte. Wir waren auch erfolgreich und die Matratze wurde uns quasi hinterhergetragen, sodass wir zeitgleich wieder zu Hause ankamen. Den Abend verbrachten wir dann zuerst mit Tarotkarten auf meinem und anschließend (der Abwechslung wegen) mit Tatort auf Ewas Bett. Danach schlief ich friedlich und glücklich auf meiner neuen Matratze ein.

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