Dienstag, 16. November 2010

ein zu kurzes Kleid, Feierlichkeiten, Culcha Candela und schlaflose Tage am Strand

Nach einer müden Woche, einem langen Abend mit Susanne, ihrem Freund und Gavo in unserer neuen Lieblingskneipe und einem darauffolgenden langweiligen Freitagabend sowie einem Arbeitssamstag wollten wir am Samstagabend, den 6. November, eigentlich auf eine sehr elegante Feier gehen, die die Familie von Erick aufgrund eines traditionellen Festes aus Oaxaca veranstaltete. Zu diesem Zweck hatte ich mir extra in Guadalajara Schuhe gekauft, die ich sonst nie anziehen würde. Paty hatte mir ein elegantes Abendkleid geborgt, aber Samstagnachmittag stellte sich heraus, dass dieses auf einer Seite etwa zehn Zentimeter zu kurz war (das Kleid musste knöchellang sein, damit man hereingelassen wurde). Ewa und ich beschlossen deswegen kurzerhand diese Feier trotz aller Umstände sausen zu lassen. Stattdessen kam Joel zu uns, wir sahen Dr. House und bereiteten uns anschließend für die Ersatzparty vor - eine Party mit dem Motto "Tag der Toten" bei Paul zu Hause. Uxval und Susanne holten uns gegen elf ab und nachdem wir Ewa, die vorher unbedingt tanzen gehen wollte, in ihrem Stammschuppen abgesetzt hatten, fuhren wir zu Paul, wo wir bemerkten, dass wir tatsächlich zu den wenigen gehörten, die sich nicht verkleidet bzw. angemalt hatten. Wir verbrachten also den Abend mit Tequila zwischen lauter als Toten verkleideten Menschen. Spät bzw. früh fuhren wir dann nach Hause. Am nächsten Morgen frühstückten Joel und ich noch mit Ricardo und seiner Freundin vor dem Haus auf der Straße (Brühe und Tacos!). Joel fuhr dann nach Hause und ich verbrachte den Tag faul, telefonierend und zum Teil lesend.

Am Dienstag, den 9. November, fuhren Chiara und ich am späten Nachmittag nach Acatlan, weil dort aufgrund der Feierlichkeiten (35 Jahre FES Acatlán) einer der Deutschkurse vom Samstag, den ich auch schon vertreten hatte, ein Theaterstück (Prometheus) aufführte. Leider verstand man aber nicht alles, weil die armen Schwierigkeiten bei der Aussprache hatten.

Am Donnerstag, den 11. November, begann quasi mein langes und schlafloses Wochenende. Gavo kam verspätet gegen sechs zu mir. Arturo kam auch. Dann fuhren wir mit dem Taxi zum Goethe-Institut, wo ich eine Minute bevor die Bibliothek schließt, dort hineinstürmte, um noch meine Bücher abzugeben. Um sieben sollte eigentlich ein vom Goethe-Institut organisierter Bus zum Konzert von Culcha Candela nach Puebla fahren, aber aufgrund einiger verspäteter Mitfahrer fuhren wir dann erst kurz vor acht ab. Nachdem wir endlich Puebla bzw. Cholula erreicht hatten, stellten wir fest, dass der Fahrer nicht wirklich wusste, wohin er fahren musste. Er irrte etwa eine halbe Stunde herum und wir wurden alle immer nervöser, weil wir den Anfang des Konzertes nicht verpassen wollten. Endlich sahen wir auf der gegenüberliegenden Seite ein riesiges Plakat, das das Konzert ankündigte. Wir jubelden, weil wir endlich die Disko erreicht hatten, mussten aber kurz darauf feststellen, dass der Fahrer keinen besonders guten Orientierungssinn hatte, denn er fuhr sich nochmals und so kamen wir eine weitere halbe, nervenaufreibende Stunde endlich in der Disko an, wo das Konzert gerade begann. Trotz Boygroupauftreten und mexikanischen schreienden Mädchen in viel zu hohen Schuhen (der Rest der Disko war mit Deutschen gefüllt, ein gruseliger Anblick!) genossen wir das Konzert. Ich lernte einen neuen Lieblingscocktail kennen (Perla Negra) und tanzte endlich mal wieder zu einigermassen aushaltbarer Musik. Nach dem Konzert tanzten wir weiter, allerdings diesmal zu weniger aushaltbarer Musik. Irgendwann stand ich auch bei der Band im Backstagebereich - wenn auch eigentlich um unseren Organisator zu fragen, ob wir nicht langsam los müssten, denn immerhin waren es etwa zwei Stunden Fahrt zurück. Gegen halb fünf waren Gavo und ich dann auch endlich zu Hause, wurden aber um neun wieder von der Sonne geweckt, da ich immer noch keine Gardinen habe. Gavo düste dann in die Uni und ich fuhr unwesentlich später mit Susanne nach CU, wo wir unseren Filmkurs abhielten. Nach dem Kurs trank ich Kaffee mit Joel und dann trafen wir noch auf Paul und saßen eine Weile mit Susanne, Ewa und Erick auf der Wiese in der Sonne. Diese fuhren dann nach Hause, während Joel und ich als Ehrengäste erst an Arturos und dann an Pauls Unterricht teilnehmen durften. Danach liefen wir vier zu Joel, der in der Nähe von CU wohnt, und tranken ein Feierabendbier. Joel war krank und wollte deswegen nichts weiter unternehmen, Arturo wollte zu einer Feier ins Zentrum, worauf wir alle keine Lust hatten und ich hätte eigentlich nach Hause gemusst, weil wir am kommenden Morgen um fünf Uhr früh an den Strand fahren wollten. Stattdessen landete ich dann mit Paul bei einem Freund von ihm, der gekocht hatte (seine Frau war inzwischen schon im Bett, weil wir erst sehr spät dort ankamen). Wir tranken Bier und unterhielten uns. Zwar übermannte mich irgendwann die Vernunft und ich beschloss Richtung nach Hause zu gehen, aber diese hielt nicht lange an. Als wir bei mir zu Hause waren, sahen wir noch "Mein neuer Freund", sodass ich im Prinzip nicht geschlafen hatten, als Ewa mich um halb fünf weckte.

Vollkommen übermüdet fuhren wir mit Rogelio, der am Abend zuvor aus Puebla gekommen war, zu Sonja und Ernie um die beiden sowie Romy abzuholen. Da am Montag frei war (Revolutionstag, der eigentlich am 20.11. ist, aber vorverlegt wurde, damit es sich auch lohnt), hatten wir bereits auf dem Oktoberfest den Plan entwickelt an den Strand zu fahren. Zu sechst ging es dann mit zwei Autos in Richtung Acapulco. Dort kamen wir in einem Bungalow (Ernie, Sonja, Kleiner - der neue und sehr kleine Hund der Beiden - und Romy) und einem Zimmer (Ewa, Rogelio und ich) in der sogenannten Quinta Erika (ja, von Deutschen betrieben und auch sonst alles sehr deutsch - schon fast erschreckend) in Pie de la Cuesta (etwa zehn Kilometer von Acapulco entfernt) unter. Nachdem wir unsere Sachen abgelegt hatten, spazierten wir in der Hitze zum Strand, um dort Mittag zu essen. Das dauerte eine ganze Weile, weil wir noch eine Hängemattenmeerbadensiesta einschoben. Wieder zurück in der Herberge duschten wir uns, spielten dann noch eine Weile unser neues Lieblingsspiel "Papelitos" (so ähnlich wie Personenraten nur mit mehreren Runden) und fuhren dann mit zwei Taxi nach Acapulco, wo wir die Nacht in der erdbeerigsten Disko der ganzen Stadt verbrachten. Es war nicht unbedingt nach meinem Geschmack, aber aushaltbar und zum Teil ganz witzig. Gegen halb sechs waren wir wieder in unserer Unterkunft, um um neun bereits für das Frühstück wieder aufzustehen. Danach verbrachten wir bis auf Ewa, die sehr müde war und erst einmal keine Lust auf Sonne hatte, den ganzen Tag am Strand, der bis auf uns fast menschenleer war. Leider konnte man nicht weit ins Meer hinein, weil es an dieser Stelle eine sehr starke Strömung gibt (anders als in Acapulco selbst, das in einer Bucht liegt). Aber wir plantschten trotzdem ein bisschen im Wasser, verbuddelden Rogelio, hörten Musik und schließlich spielten Rogelio, Ernie und ich geschätzte zwei Stunden Personenraten. Als die Sonne sich langsam verkroch, kam Ewa und nachdem wir kurz einer tierquälenden Freilassung von jungen Schildkröten beigewohnt hatten, gingen wir zurück und machten uns für den Abend bereit. Nach einer sehr leckeren Abendessen in Pie de la Cuesta fuhren wir nach Acapulco, um dort an der Quebrada um halb elf Uhr abends die letzten Klippenspringer zu beobachten (für die Acapulco ja bekannt ist). Danach fuhren wir wieder zur Unterkunft zurück und spielten schließlich bis fünf Uhr morgens unser neues Lieblingsspiel "Papelito". Nach etwa vier Stunden Schlaf standen wir auf, um zu frühstücken und anschließend wieder Richtung DF zu fahren. Zwischendrin gab es einen kleineren Stau und so kamen wir erst gegen acht zu Hause an, nachdem wir Rogelio noch am Busbahnhof abgesetzt hatten, damit dieser wieder zurück nach Puebla fahren konnte. Zuhause angekommen erst einmal wieder das typische Nach-dem-Urlaub-Loch. DF ist groß und kalt und stinkt... naja, usw. Wir sahen nach Tatort und dann fiel ich totmüde nach diesen ganzen Tagen ohne viel Schlaf ins Bett.

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